Als Juden vor den Nazis flüchteten, bot ihnen der dominikanische Diktator Rafael Trujillo Zuflucht - er wollte sein Volk mit 100.000 Einwanderern "aufweißen".
So rettete der karibische Rassist auch das Leben des Erfurters Kurt Luis Hess, der heute 99 Jahre alt ist.
Vor 70 Jahren, am 6. Juli 1938 tagte in Évian-Les-Bains, Frankreich, eine internationale Flüchtlingskonferenz über das Schicksal der aus Deutschland und Österreich geflohenen Jüdinnen und Juden. Aufgrund der Tagung fanden einige Hundert Zuflucht in der Dominikanischen Republik.
Einer von ihnen war Kurt Luis Hess. Als Sohn einer jüdischen Familie, durchlebte er eine sechsjährige Odyssee die ihn durch halb Europa führte, bis er schließlich ein Angebot des dominikanischen Diktators Rafael Leónidas Trujillo Molina annahm, der angeblich aus humanitären Gründen bis zu 100.000 Juden aufnehmen wollte.
Das American Jewish Joint Distribution Committee (Joint) griff das Angebot Trujillos auf und gründete die Dominican Republic Settlement Association. Die DORSA kaufte Trujillo das brachliegende Gelände einer ehemaligen Bananenplantage in Sosúa ab und begann ab Februar 1940, dort Baracken für die jüdischen Siedler aufzubauen, die in ganz Europa rekrutiert wurden. Bis Ende 1942 kamen rund 800 Jüdinnen und Juden, die eine landwirtschaftliche Ausbildung vorweisen konnten.
Doch bald kam die Ernüchterung. Der Boden war nicht zum Anbau von Gemüse und Getreide geeignet, und außerdem fehlte den Exilanten jegliche Erfahrung in der Landwirtschaft, da die meisten in Wirklichkeit Ärzte, Professoren, Künstler, Kaufleute und Handwerker waren. Zudem gab es Streitigkeiten, und das ursprünglich von der Dorsa geplante Prinzip der Kibbuze, das Israel später so erfolgreich werden ließ, wollte in der Dominikanischen Republik nicht funktionieren.
Die Dorsa brach das Experiment ab, und teilte jeder Familie zwei Hektar Land, zehn Milchkühe, einen Bullen sowie einen Esel zu. Pro Kind gab es zwei Kühe mehr. Die Siedler gruendeten Firmen und schafften Arbeitsplätze für Dominikaner. Die erfolgreiche Firma "Produktos Sosua" besteht auch heute noch.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verließ die Mehrheit der jüdischen »Colonos« wieder die Insel, vornehmlich in Richtung USA.
Hess beteiligte sich aktiv am Aufbau der Schule "Cristobal Colon", und wurde deren Schulleiter. Die sehr angesehene Schule ist bekannt für ihr gehobenes Bildungsniveau und wurde 2001 zur Privatschule, die inzwischen auch seinen Namen "Colegio Luis Hess" trägt.
Im Jahre 1941 heiratete er als erster Siedler eine Einheimische. "Sie war das Glück meines Lebens". Sein Sohn Franklin wurde im Oktober 1941 geboren, dessen Bruder Cecil kam 1949 zur Welt. Franklin Hess zog 1961 nach Deutschland und ist heute Dozent in Berlin, Cecil wurde Diplomingeneur und betreibt nahe Los Angeles ein Unternehmen für Lasermesstechnik.

